Liftruine und Alterswohnungen

Gestern bin ich an einer Liftruine vorbeigefahren und musste einfach ein Foto machen. Da wo vor kurzem noch ein mehrstöckiges Haus stand, steht jetzt noch der Turm der  8 Etagenlift-Türen. Das abgebrochene Haus machte mir nicht den Eindruck, als ob es mit Sanierungsmassnahmen nicht auf aktuelle Bedürfnisse hätte angepasst werden können. Wo bleibt hier der Nachhaltigkeitsgedanke? In Zürich werden täglich Gebäude abgerissen, um die maximalen Grundstücksausnutzungen mit einem Neubau optimal umsetzen zu können.

Die bereits angebrachte Vermarktungstafel zeig, dass hier das neue Alterszentrum Trotte entstehen wird. Meine Nachforschungen auf der Internetseite des Hochbau-Departements der Stadt Zürich ergaben dann, dass der Nachhaltigkeit neben den Kosten beim Neubau – versus Sanierungsgedanken – sehr wohl Rechnung getragen wurden. Hier entsteht ein Neubau mit 95 Wohneinheiten für ältere Personen.

Auch Alterszentren sind im Wandel und beim 1960 erstellte Alterszentrum Trotte in Zürich Wipkingen  wäre eine umfassende Erneuerung unerlässlich gewesen. Aufgrund des Umstandes, dass die Sanierungskosten fast gleich teuer zu stehen gekommen wären wie ein Neubau, wurde gegen die  Instandsetzung entschieden.

Der Neubau wir nicht nur den heutigen Bedürfnissen (Zimmergrösse, Einrichtung, Struktur etc.) entsprechen, er wird durch den Minergie-P-Standard auch ökologisch vorbildlich sein.

Mich persönlich freut, dass mit dem Neubau Raum geschaffen wird, welcher den heutigen Bedürfnissen der Zielgruppe „Senioren“ gerecht wird. Die Zielgruppe „Senioren“ liegt mir besonders am Herzen. Obwohl gemäss BfS bekannt ist, dass die Zielgruppe 65+ in den nächsten 50 Jahren um 90% zunehmen wird (das entspricht ca. 1.2 Mio. Personen) reagiert -meiner Meinung nach- die Baubranche bzw. die Investoren nicht stark genug in der Umsetzung des künftig gewünschten bzw. gebrauchten Wohnraumes. Bevorzugt gebaut wird immer noch, was in den letzten Jahren erfolgreich abgesetzt werden konnte: 3.5- und 4.5-Zimmer-Wohnungen.

Unsere Zielgruppe „Senioren“ ist mobiler geworden und zieht auch gerne mit 70 Jahren noch in eine andere Mietwohnung- oder von ländlichem Eigentum in eine zentraler gelegene Mietwohnung. In meinem näheren Umfeld erlebe ich immer wieder, dass ältere Personen, welche umziehen möchten bzw. umziehen müssen (Sanierungsmassnahmen der Mietwohnung) von den Verwaltungen kaum ein Chance auf eine passende Wohnung kriegen. Bei mehreren Bewerbern werden oft jüngere Personen bevorzugt. Weshalb? Darf ein 80-Jähriger, welcher 20 Jahre in derselben Mietwohnung gewohnt hat, welche jetzt einem Neubau weichen muss, nicht mehr in eine Mietwohnung ziehen? Ist er zu alt um eigenständig zu leben? Trägt man unserer durchschnittlichen Lebenserwartung Rechnung, kann diese Person noch mindestens 5 – 10 Jahre ein sehr dankbarer und ruhiger Mieter sein. Mehr zu diesem Thema in meinem nächsten Blog.

Autorin: Karin Blömeke, immoberatung.ch

 

 

 

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